Flüchtling findet 4000 Euro auf Straße

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Jamal Khalaf findet ein Portemonnaie mit 4000 Euro. Geld, das seinem Bruder im Irak vielleicht das Leben retten könnte. Doch für den Flüchtling wäre Unehrlichkeit keine Option.

Jamal Khalaf wollte nur seinen Sohn von der Schule abholen. Plötzlich sah er eine Ein-Euro-Münze auf dem Boden aufblinken. Er bückte sich und entdeckte nicht weit entfernt am Straßenrand ein ganzes Portemonnaie. Die volle Brieftasche sei schon vom Regen aufgeweicht gewesen, berichtete er der Rheinischen Post. “Es war so unglaublich viel Geld da drin, so was hatte ich noch nie gesehen“, erzählt er, darüber hinaus Kreditkarten, Ausweise und persönliche Gegenstände. “Genau nachgeschaut habe ich nicht, das geht mich nichts an. Es gehörte schließlich nicht mir.“

Mit einem Freund, der Deutsch spricht, machte er sich mit seinem Fund auf zur Ratinger Wache: Fast 4000 Euro zählten die Polizeibeamten, plus das Euro-Stück, das Khalaf ebenfalls abgab.

Für ihn ist seine Ehrlichkeit selbstverständlich. “Wenn ich das Geld genommen hätte, hätte ich ja jemanden unglücklich gemacht. Und das kommt für mich nicht in Frage.“ Auch wenn das Geld die Rettung für einen seiner Brüder im Irak hätte sein können: Rund 2000 Dollar verlangen Schlepper, um eine Person in die Türkei zu bringen.

“Das Schönste wäre es eigentlich, wenn dies keiner Schlagzeile bedürfte“

Das hat Jamal Khalaf bereits hinter sich. Er ist vierfacher Familienvater. In seiner Heimat im Irak hat er als Landwirt gearbeitet und nie viel verdient. Die Khalafs sind Jesiden aus der Stadt Sinjar. Als der Islamische Staat (IS) immer näher rückte, blieb ihnen keine Wahl: Sie mussten fliehen. Khalafs Vater starb im türkischen Flüchtlingslager, wo es kaum medizinische Hilfe gab. Darum zog die Familie weiter nach Deutschland.

“Ich bin mit meiner Familie nach Deutschland gekommen, um in Sicherheit und Frieden leben zu können, nicht um mich zu bereichern", sagt der 36-Jährige. “Ich wünsche mir nichts mehr, als dass meine Kinder in Frieden und Sicherheit aufwachsen können, wir genug zu essen und irgendwann vielleicht eine kleine Wohnung haben. Ich möchte niemandem zur Last fallen.“
Polizisten brachten Khalaf übrigens einen Finderlohn, mit 20 Euro nicht gerade üppig. Doch auch diese kleine Belohnung wollte er nicht annehmen.

Bei Facebook wird der Bericht über den ehrlichen Finder eifrig diskutiert. Thema ist auch der geringe Finderlohn: “Was mich nur ärgert sind die 20 €. Hieß es nicht mal 10 Prozent? Und wenn schon nicht das, 100 € hätten schon drin sein können bei der Summe.“ Ein anderer schreibt:”„Der gesetzliche Finderlohn wären 130,- Euro gewesen. 25,- aus 5% von 500 und vom Darüber 3%. Da war der Verlierer aber kein Ehrenmann.“

“Find die Berichterstattung super“, kommentiert ein Ratinger. “Man hört meistens Negatives, da finde ich das doch mal sehr positiv. Von “Einheimischen” findet man das ja selbstverständlich, von “Flüchtlingen” leider nicht. Das Schönste wäre es eigentlich, wenn dies gar keiner Schlagzeile bedürfte, da es für alle genauso normal wäre.“

Foto/Symbolbild: dpa

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